Auf anderen Seiten: Hat es sich bald ausgemooft? VanMoof wohl in stärkerer Schieflage als gedacht

Über die aktuellen Probleme beim eBike Hersteller VanMoof hatte ich euch bereits berichtet. Doch der aktuell anhaltende Verkaufstopp scheint nur die Spitze des Eisbergs zu sein.

Am 12. Juli 2023 hat VanMoof beim Bezirksgericht Amsterdam bereits ein vorübergehendes Zahlungsmoratorium eingereicht, um seine Finanzen zu sanieren und einen Konkurs zu vermeiden. Nach niederländischem Recht können Gläubiger ihre Forderungen während des Zahlungsaufschubs nicht einfordern. Dieser endet, wenn alle Gläubiger bezahlt sind, eine endgültige Einigung mit den Gläubigern erzielt wurde oder das Unternehmen für insolvent erklärt wird. Das Gericht gab dem Antrag statt und ernannte zwei Verwalter, die den Betrieb überwachen. Der Zahlungsaufschub gilt für 18 Monate. Wie es scheint, gibt es bereits erste Zahlungsausfälle: Laut t3n sollen Privatinvestoren der Plattform Oneplanetcrowd auf Ausschüttungen warten.

Die Gründe dafür können vielseitig sein, so sollen zum einen die gestiegenen Produktionskosten ein Faktor sein, was auf den Verzicht auf Standardkomponenten zurückzuführen ist. Bei den VanMoof Bikes sind ettliche Komponenten verbaut, die in Zusammenarbeit mit Zulieferern produziert werden.

VanMoof verspricht den Service zunächst aufrechtzuerhalten

Trotz der aktuell anhaltenden Probleme verspricht VanMoof aber den Service wie gewohnt fortzuführen (und der war meiner Meinung nach nicht das gelbe vom Ei). VanMoof betont, dass die aktuellen Maßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter:innen dient. Die Produktion und Auslieferung bestehender Aufträge soll zeitnah nachgeholt werden.

Die Zukunft von VanMoof ist ungewiss. Was aber passiert mit den smarten VanMoof Bikes?

Zuerst die gute Nachricht, auch wenn VanMoof keine neuen Geldgeber finden kann, werden eure eBikes nicht plötzlich verschwinden 😉 Aktuell gibt es wohl zwei Probleme, vor der sich die VanMoof Community sieht. Zum einen ist die Angst groß nach einer Insolvenz weiterhin Ersatzteile zu bekommen. Hier könnten allerdings auch die Zulieferer einspringen und die von Ihnen produzierten Teile auf dem freien Markt verkaufen. Alternativ könnte VanMoof (oder was dann noch davon übrig ist) sich die Rechte/Patente lizenziere lassen um weiteren Nachschub an Ersatzteilen zu gewährleisten. Schon heute hat VanMoof recht gute Anleitungen für seine Kunden, wie sie Reparaturen an ihren Rädern selbst vornehmen können.

Ein VanMoof Bike ohne Encryption Key ist wohl Elektroschrott

Ein etwas größeres Problem sind die smarten Services, die mit jedem Bike daherkommen, da wäre einmal die Steuerung über die App, das Tracking per GPS und erfassen von etlichen Daten, die während einer Fahrt so anfallen. Zahlt niemand mehr für die Serverkosten, gibt es logischerweise auch keine Services mehr. Besonders sollte man hier den Bluetooth Schlüssel hervorheben, der benötigt wird, um das eBike zu entsperren. Der Schlüssel wird aus Sicherheitsgründen nicht in der VanMoof-App gespeichert, sondern jedes mal von den VanMoof Servern abgerufen. Sind die Server nicht mehr erreichbar, kann die App also auch den Encryption Key nicht mehr laden. In einem solchen Fall könnten Nutzer die App also nicht mehr mit ihrem Fahrrad koppeln. Der App-Betrieb ist allerdings Voraussetzung für wichtige Features wie die Steuerung von Licht und Geschwindigkeiten. Auch Komfort-Features wie das automatische Aufschließen, wenn man sich dem Rad nähert, können nur mit der App benutzt werden.. Es gibt zwar noch eine Möglichkeit direkt am Rad einen Pin einzugeben, wie es sich aber damit verhält, kann ich aktuell nicht sagen.

Hier ist ironischerweise der VanMoof Konkurrent Cowboy eingesprungen und hat eine App herausgebracht, mit der ihr den Schlüssel lokal auf eurem Smartphone speichern könnt. Möglich war das bisher bereits über den auf GitHub verfügbaren VanMoof Encryption Key Exporter. Jetzt gibt es eine weitere, einfachere Möglichkeit: die App Bikey.

Mit der Bikey App bleibt euer VanMoof Bike in Bewegung

Die Bikey-App gibt es bislang ausschließlich für iOS, eine Android-Version folgt. Zudem ist sie bislang nur mit den VanMoof-Rädern S3 und X3 kompatibel, die neueren Modelle A5 und S5 sollen ebenfalls folgen.

LaLaut Aussage von Cowboy ist die App noch Beta. Sie kann bereits kostenlos über den Appstore geladen werden.

Hier ist aus meiner Sicht wirklich schnelles Handeln notwendig, denn Serverbetreiber können schnell mal einen Server abschalten, wenn Zahlungen ausbleiben.

‎Bikey App (Kostenlos, App Store) →

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