„Mir gehts beschissen“ sagt man auch viel zu selten

Seit ein paar Jahren benutze ich die letzten Tage des Jahres immer wieder dazu, um eine Art Inventur bei mir selbst zu machen, über das vergangene nachdenken und ev. Dinge, die man in der Zukunft tun möchte nachdenken. So auch dieses Jahr und ich muss sagen, dieses Jahr war einfach nur Kacke in vielerlei Hinsicht. Zum einen ist es beruflich nicht so gelaufen wie ich wollte, in der Familie sind neue Herausforderungen auf mich zugekommen und auch der Rest der so „nebenbei“ passiert ist hat eigentlich so gar nicht in meinen Kram gepasst. Ich hatte vermutlich wieder hunderte Ideen aber nichts davon umgesetzt oder gar angefangen. Das alles hat seine Spuren hinterlassen und je weiter das Jahr vorangeschritten ist, wurde es schlimmer.

„Das Leben ist kein Ponyhof“

Es ist nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen und und auf einem Ponyhof lebe ich auch nicht, so erwachsen bin ich mit meinen fast 50 Jahren nun schon (glaube ich) aber wenn man Tag ein tag aus nur mit Problemen konfrontiert wird und diese lösen soll ohne sich selbst um seine eigenen Probleme kümmern kann kommt irgendwann der Punkt an dem man nur noch funktioniert. Diesen Punkt habe ich im letzten Drittel dieses Jahres wahrscheinlich überschritten und trotzdem weitergemacht. Ich bin ein Mensch, der dann immer ganz still wird, sich abschottet um nicht noch mehr Mist an sich heranzulassen und gleichzeitig arbeite ich weiter an den Problemen anderer. Das kenne ich bereits und normalerweise finde ich dann auch immer einen Ausweg aus dieser Situation, manchmal nach Tagen manchmal nach ein oder zwei Wochen, doch diesen Ausweg habe ich diesmal nicht gefunden. Ich wurde stiller und habe mich immer mehr eingeigelt und habe immer weniger an mich herangelassen, mich geflüchtet in die Weiten von Netflix oder einfach nur doomscrolling betrieben bis es wieder Zeit war ins Bett zu gehen und den Tag als einen weiteren Verlust zu verbuchen, bis ich mich am darauffolgenden Tag erneut aus dem Bett gequält habe, um das alles von Neuem über mich ergehen zu lassen und immer weiter zu funktionieren.

Was ich hier beschreibe, kenne ich bereits vor etwas mehr als 15 Jahren ging es mir schon einmal so, allerdings waren hier die Vorzeichen anders. Damals wurde ich mit einem klassischen Burn-out in die Reha geschickt, in der ich mich erst einmal wieder selbst finden musste und mir Mechanismen aneignen musste um so etwas zu verhindern. Als ich damals wieder einigermaßen hergestellt war, wurde mir in einem meiner letzten Gespräche mitgeteilt, dass man ebenfalls vermutet, dass ich unter depressiven Episoden litt….

15 Jahre später habe ich zwar immer noch meine Werkzeuge um nicht wieder in ein Burn-out zu laufen, aber immer noch keine Werkzeuge um mit den Depressionen umzugehen und genau das ist der Punkt an dem ich mich gerade befinde – Ich stecke wohl gerade in einer Depression. Keinen Bock, ich funktioniere nur noch, keinen Spaß an nichts und sehe nur noch schwarz. It is what it is – mir geht’s beschissen. Das ist mir in den letzten Tagen des Jahres klar geworden.

The Show must go on!

Jetzt heißt es da wieder herauskommen und da ich es nicht alleine schaffe wie es scheint, suche ich mir Hilfe. Ich habe mir bereits einen Termin bei meinem Hausarzt gemacht und werde dort erst einmal vorsprechen um zu sehen wie es weitergeht, vermutlich werde ich dann erst einmal wochenlang einen Termin bei einem Facharzt suchen müssen aber ich will das erledigen. Ich will nicht mehr nur funktionieren, ich will wieder agieren und nicht nur reagieren – der Jäger sein, nicht der Gejagte. Endlich mal wieder „leben“ und mal wieder geilen Scheiß machen oder einfach nur mal wieder herzhaft und ehrlich lachen.

Wenn andere sich Sport oder ähnliches als Vorsätze für das neue Jahr vornehmen bin ich da eigentlich eher simple gestrickt, mal wieder herzhaft und ehrlich Lachen wäre schon einmal ein Anfang. Zudem habe ich bereits ein paar Dinge in die Wege geleitet um das kaputt zu machen was mich kaputt macht, mal schauen ob sich 2026 die ganzen einzelnen Puzzleteile zusammenfügen und alles funktioniert. Ich erwarte ja nicht, dass habe dem 01. Januar wieder alles in Butter ist, dafür ist der Prozess zu lange und zu komplex aber ich würde mir wünschen zumindest ein paar schnelle Erfolge erzielen zu können um wieder ein klein wenig Licht am Ende des Tunnels sehen zu können. Es kann auch nur ein Lächeln sein, irgend etwas das mir zeigt, dass ich innerlich noch nicht ganz Tod bin, sondern dass noch etwas in mir steckt, für das es sich lohnt zu kämpfen.

Wir sehen / lesen / hören uns in 2026 und passt auf euch auf.

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